Die Langtang-Trekkingtour startete gleich mit der "Marathonetappe", der vermutlich heftigsten Etappe der ganzen Tour. In 8 Stunden sind wir knapp 1200 Höhenmeter aufgestiegen, mit sehr viel Schweiß.
Gleich zu Beginn ging es über die erste von vielen Hängebrücken, danach ging es immer an einem Fluß entlang nach oben. Im unteren Teil war der Bodenbewuchs sehr interessant, überall sprossen kleine Marihuana-Pflanzen als Unkraut heraus. Da passte es ganz gut, dass dann nach einiger Zeit das "Bob-Marley-Guesthouse" am Weg lag. Die andere häufige Pflanze war eine Art Brennessel, die ich später noch näher kennenlernen durfte. Es waren jede Menge Touristen unterwegs, ich mußte immer wieder an die letzten Kilometer beim Jakobsweg denken. Daneben immer wieder Porter, die mit einem Stirnband 30-40 kg Lasten trugen (und entsprechend fertig immer wieder fix und fertig am Wegrand sassen; trotzdem war unser Gepäck immer vor uns im Ziel).
Als die Beine schon ziemlich schwer wurden, und wir 2/3 des Wegs hinter uns hatten, gab es Mittagspause in Bamboo. Leider kamen danach noch weitere 700 Höhenmeter, die sich wie Kaugummi zogen. Meist in Form von Stufen aus Steinblöcken, die den geschwollenen Oberschenkeln den Rest gaben. Im späteren Teil bin ich immer nur ca. 100m weit gegangen und dann wieder eine kurze Pause. Kurz vor dem höchsten Punkt bin ich dann auf einem Stein leicht weggerutscht und habe mich mit der Hand genau an einer Brennessel abgestützt. Die brennen, dass es kein Vergleich mit den unsrigen ist! Ich habe die Hand sofort unter kaltes Wasser gehalten, aber dennoch waren selbst nachts noch die Fingerspitzen pelzig.. Direkt danach ging es leicht bergab (bei beginnendem leichten Regen) zu unserer Lodge in Lama Hotel (die Lodge war leider kein Hotel, der Ort hieß nur so). Ich hatte mich auf eine Dusche gefreut, weil ich klatschnass geschwitzt war, aber leider gab es weder Dusche noch Waschbecken, und die einzige Toilette auf der Etage war ein Loch im Boden. Aber gut, konnte ich nicht ändern, die anderen mußten ja genauso stinken wie ich.
Abends erzählte uns unser Guide Ganeesh noch die mythische Geschichte von Langtang (das wohl in der lokalen Sprache soviel bedeutet wie 'Rind, das ins Tal gekommen ist'), und er klärte uns noch auf dass es eigentlich keine Yakmilch oder -käse geben kann weil Yak der Name des Bullen ist und die Kuh Nak heißt.
An dieser Brücke beginnt der Langtang-Trail
Immer am Fluß entlang ging es bergauf
Das Geschirr im Teehaus wird einfach mit kaltem Wasser aus dem Bach gespült
Von Lama Hotel nach Thangsyap
In der Nacht wurde ich von heftigem Regen geweckt, der zum Glück gegen Morgen nachließ und dann als wir losgingen aufgehört hat. Der Weg ging zunächst durch Bergregenwald, immer hoch oberhalb des wild rauschenden Langtang Rivers. Unterwegs sahen wir im Wald einige Kühe beim Bambusessen im Wald, und später sogar die ersten Jaks. Nach etwa 4 Stunden waren wir am Ziel, kurz vorher passierten wir noch Überreste des Erdbebens und provisorische Behausungen aus dieser Zeit (die offenbar immer noch bewohnt wurden). Nach dem Mittagessen wollten wir noch eine Runde ohne Gepäck laufen, zur besseren Akklimatisierung einfach nur ca. 100 Höhenmeter nach oben und wieder zurück zur Lodge. Genau da fing es an zu regnen, und gleich danach auch noch zu graupeln. Wir sind daher ziemlich zügig wieder zurück und trockneten erst mal die Kleidung im Aufenthaltsraum (dem einigen geheizten Raum der ganzen Lodge). Vor dem Abendessen nutzten einige die Gelegenheit, den Trägern Uno beizubringen. Zum Abendessen gab es die "Klassiker" Gemüsenudeln und Pizza sowie Momos (gefüllte Teigtaschen) und als Nachspeise panierte Apfelringe. Zum Abschluß des Abends spielten wir dann noch ein wenig Jule und gingen ziemlich früh ins Bett.
Immer wieder Steinstufen, wenn auch nicht mehr so viele wie am Vortag
Gelegentlich sieht man blühende Rhododendronbäume, für ein Blütenmeer ist es aber noch zu früh. Vielleicht haben im zweiten Teil der Tour mehr Glück...
Offenbar immer noch bewohnte Notunterkünfte aus der Zeit nach dem Erdbeben.
Über diese Brücke geht niemand mehr. Zum Glück wurde direkt nebenan eine neue gebaut
Unsere Lodge
Ein buddhistischer Schrein, wie er bei jeder Lodge in ähnlicher Form im Gemeinschaftsraum zu finden ist. Nur nicht überall so mit Marihuana-Dämpfen geschwängert wie hier
Von Thangsyap nach Mundu
Nach einer kühlen Nacht sind wir frühmorgens von Windböen geweckt worden, dass wir dachten das Dach fliegt gleich weg. Zum Ausgleich war es dafür wolkenlos. Da heute nur eine kurze Etappe (4 Stunden und ca. 300 Höhenmeter) bis Mundu anstand, hatten wir ziemlich spätes Frühstück. Kurz bevor wir aufbrachen, segnete die Wirtin den Buddhaschrein in Aufenthaltsraum mit einer Räucherschale, wobei das wichtigste Kraut dabei offenbar Marihuana war. Genau so stelle ich mir den Geruch in einem Coffeeshop in Amsterdam vor!
Beim Aufstieg passierten wir die Stelle, wo die riesigen Lawinen nach dem Erdbeben ganze Siedlungen weggerissen hatten. Auf dem gegenüberliegenden Hang sind die ganze Bäume auf halber Höhe weggerissen durch die Druckwelle der Lawinen. Auch die Betreiberin unseres Guesthouses wurde damals erfasst und 30 m weit mitgerissen, kam dann aber glücklicherweise hinter einem großen Felsen geschützt zum Liegen und hat dadurch überlebt. Am Rand des Dorfes Langtang, wo die meisten Opfer zu beklagen waren (sowohl Einmeimische als auch Trekkingteilnehmer aus der ganzen Welt) steht nun ein großes Monument mit den Namen der ganzen Opfer.
Auf dem Weg nach Mundu trafen wir auf die ersten Mani-Mauern, langgezogene Mauern aus Platten mit "Om mani pae mae hum"-Aufschriften oder Glücksymbolen, dazwischen immer wieder kleine "Türmchen" mit 3 Ebenen, die eine Lotosblüte symbolisieren. Diese Mauern soll man immer auf der linken Seite passsieren (oder ganz im Uhrzeigersinn umrunden), auf der rechten Seite vorbeizugehen bringt Unglück. So eine Platte mitzunehmen bringt übrigens auch Unglück, ich hatte spasseshalber gefragt was passiert wenn ich eine davon als Souvenir einpacke :-)
Wir sahen auch mehrere Adler, einer flog sogar ziemlich tief direkt über unsere Köpfe hinweg (aber leider so spontan, dass wir alle keine Zeit hatten die Kameras herauszuholen). Daneben immer wieder Yaks und Mulis und was sonst noch kreucht und fleucht hier. Inzwischen sind wir auch schon oberhalb der Baumgrenze, es stehen nur noch Gebüsche (die meisten ziemlich stachelig).
Nach dem Mittagessen haben wir wieder einen Akklimatisierungsgang gemacht, wieder ca. 200 Höhenmeter weiter aufsteigen und dann wieder hinunter zum Guesthouse. Da der Weg nicht wirklich steil war und später sogar wieder leicht abfiel, sind wir dann spontan noch querfeldein zu einem großen Felsbrocken hochgestiegen und haben dort ein Gruppenfoto geschossen.
Nach dem Abendessen spielten wir noch einige Runden Rommee. Gut dass Markus eine große Spielesammlung dabei hat! Wir gingen alle relativ früh ins Bett. Dabei mussten wir feststellen, dass gerade unser Zimmer einen strategischen Nachteil hatte: es hatte, im Gegensatz zu den meisten anderen, eine eigene Toilette. Aber es grenzte auch direkt an die Gemeinschaftstoilette, und dank der dünnen Holzwand mit großzügigen Luftspalten bekamen wir die ganzen Geräusche und Gerüche live mit :-(
Am kompletten Gegenhang wurden Bäume durch die Druckwellen abgenickt
Dort wo sich jetzt das Geröllfeld befindet, war die alte Siedlung Langtang (die Häuser im Hintergrund sind neu gebaut)
Das vermutlich einzige Haus der alten Siedlung, das das Unglück überstanden hat, geschützt durch die Felswand dahinter
Die Gedenkstätte mit den Namen der ganzen Opfer
Wer viel wandert, hat auch mal eine Pause verdient. Und nur echt mit der "wir schaffen das"-Raute
Eine von unzähligen Mani-Walls auf dem Weg
Am Endpunkt der abendlichen Akklimatisierungsrunde
Von Mundu nach Kyanjin Gumba und zum Glacier View Point
Das Ziel des Langtang-Tals rückt näher! Heute sind wir bis Kyanjin gelaufen, gerade mal 4 Stunden, so dass wir gegen Mittag schon am Ziel ankamen und die Zimmer im Guesthouse beziehen konnten. Nach dem Mittagessen sind wir noch eine "kleine Akkimatisierungsrunde" zu einem Aussichtspunkt gelaufen, noch mal 300 Höhenmeter und über viele Altschneefelder steil bergauf. Danach waren ziemlich alle fix und fertig. Ich mußte beim Abstieg auf halber Strecke einen Stop hinter einem Fels einlagen, weil es mir den Magen durchräumte. Ich vermute, es lag an den Tütensuppen, die es mittags gab. Klopapier habe ich zum Glück immer im Tagesrucksack mit dabei, und danach ging es mir gleich wieder viel besser. Auch einige andere klagten über Magenprobleme, und generell war fast jeder von uns eine wandelnde Biogasanlage. Die Schneefelder kosteten viel Kraft, weil ich immer wieder eingesunken bin bis zu den Knien an Stellen, an denen die anderen einfach drübermarschiert sind. Hier rächen sich die 100 kg Kampfgewicht, der festgetretene Schnee ist dafür offenbar nicht ausgelegt. Und ja, ich bin der Schwerste der ganzen Truppe :-( ! Kurz vor dem Ort sind Jörg, Ecki und ich zurückgeblieben, um noch Fotos zu machen und das kleine Kloster anzusehen. Der Weg von dort bis zum Hotel gestaltete sich schwierig, weil es keine Strassen gibt (wozu auch, man kommt wie gesagt nur zu Fuß hierher) und ich daher immer wieder in schneebedeckten Hinterhöfen gelandet bin. Am Abend startete die große Internet-Rallye, alle konnten (wenn auch mit einer immer wieder abbrechenden und langsamen Verbindung) ins Internet und sich per WhatsApp bei Familie und Freunden melden. Nach dem Essen gingen gingen wir alle relativ früh ins Bett, wir waren alle platt vom Nachmittags-Aufstieg. Der Internetzugang ist hier in der Region ein wenig tricky: die Guesthouses haben (wenn überhaupt) einen WLAN-Accesspoint. Dann braucht man noch eine Rubbelkarte mit Login-Daten für ein Datenpaket, 1 GB kostet umgerechnet 4 Eur. Mit diesen Login-Daten kann man sich dann auf der Startseite einloggen und ist dann erst richtig im Internet. Gemeinerweise merkt sich der Login-Server die MAC-Adresse des Geräts, ich kann die Daten daher nicht mit dem Laptop benutzen nachdem ich mich einmal per Handy eingewählt habe und brauche dafür eine weitere Karte. Auch das Handy als Hotspot für den Laptop zu benutzen funktioniert leider nicht...
Eine Stupa mit ganz viel Panorama
In dieser befindet sich eine riesige Gebetsmühle, die man gegen freiwilligen Obolus drehen darf
Die letzte Hängebrücke vor Kyanjin
Zieleinlauf, das unverputzte Hotel rechts vom Telefonmast ist unsere Unterkunft
Auf dem Glacier View Point: links ein Gletscher...
...geradeaus noch einer
Wenn Hessen reisen: mit Bembel-Mütze
Nachdem die Frauen ein Mädelsfoto gemacht hatten, wollten wir da natürlich gegenhalten und haben uns einen spektakulären Platz dafür gesucht
Ruhetag in Kyanjin Gumba
Da meine Achillessehnen immer dicker und geschwollener werden, habe ich mich entschieden heute einen Ruhetag einzulegen. Ich bin dabei nicht allein, auch Jörg und Sonja gönnten sich eine Pause. Meine restliche Truppe (Team Silke) besteigt den Tserko Ri, der aktuell ziemlich schneebedeckt ist. Aber auch die haben gesagt, sie schauen einfach mal wie weit sie kommen, keiner hat Grödel oder Gamaschen dabei. Jürgen's Gruppe ("die Senioren") besteigt einen niedrigeren und schneefreien, dem Tserko Ri vorgelagerten Berg.
Ich bin zunächst mit Jörg durch den Ort gebummelt, dann haben wir es uns auf der Terrasse des Dorje Cafe&Bakery bei ganz frisch gebackenem Kuchen und Tee gemütlich gemacht. Kurz danach kam dann auch Sonja dazu.
Zum Mittagessen kamen die "Senioren" zurück, und gemeinsam besichtigten wir noch das Kloster und eine Käsemanufaktur.
Eine Stupa am Berghang, mit dem Gletscher im Hintergrund
Im Kloster, alles sehr bunt
Auch die Träger sind überreich verziert
Buddhas Verführungen (denen er widerstanden hat), sehr anschaulich als Wandgemälde
Eine alte Gebetstafel
Das Käselager ist fast leer, es wird Zeit dass die Yaks (Naks) wieder genug Milch produzieren
Eine seltene Laune der Natur: grüne Yaks 😉
Hallo Matthias,
AntwortenLöschentoller blog, klasse Bilder!!!
Ich wünsche Dir eine schöne Zeit in Nepal.
VG,
Peter